19.11.2017

Rede des Ortsbürgermeisters zum Volkstrauertag 2017

“Fünf große Feinde des Friedens wohnen in uns: nämlich Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz. Wenn diese Feinde vertrieben werden könnten, würden wir zweifellos ewigen Frieden genießen.”

Das wusste schon im 14. Jahrhundert der italienische Dichter und Gelehrte Francesco Petrarca, und es erklärt auch, warum Alfred Nobels ehrenwerte Bemühungen immer nur ein Symbol guten Willens und ein Ansporn für alle Menschen sein können, Frieden zu schaffen.

Wir haben uns hier versammelt, um am Volkstrauertag gemeinsam zu gedenken - den Opfern von Kriegen, Gewaltherrschaft und Terror.

Volkstrauertag - nach seiner Wiedereinführung nach dem 2. Weltkrieg stellten die damaligen Verantwortlichen diesen Tag in die Erinnerung des Deutschen Volkes an die Toten der beiden Weltkriege, aber auch ebenso an die Opfer der Gewaltherrschaft und des Terrors aller Nationen.

Leider muss man aber speziell in unserer Zeit immer wieder daran erinnern:

Vor 99 Jahren endete der erste Krieg, bei dem das Töten industrialisiert wurde, bei dem erstmals Massenvernichtungswaffen und Giftgas eingesetzt wurden und an dessen Ende 17 Millionen Menschen ihr Leben und über 20 Millionen Menschen zum Teil dramatische Verletzungen und psychische Grausamkeiten erleiden mussten. Dieser Krieg ging als erster Krieg der gesamten Welt in die Geschichte ein.

Und bereits 21 Jahre später begann die bis dato größte Katastrophe und das größte Verbrechen, dem die Menschheit bisher ausgeliefert war, der 2. Weltkrieg. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt betroffen.

Am Ende stand die unglaubliche Zahl von 28 Millionen toter Soldaten, 40 Millionen toter Zivilisten und über 6 Millionen toter Juden und anderer sogenannten “unerwünschten Volksgenossen- und Schädlingen”.

All dies angezettelt mit grausamer Effizienz vom verbrecherischen Nazi-Regime und im Namen des Deutschen Volkes.

Was folgte war eine Zeit der Besinnung und des Zusammenraufens. Diese Fehler sollten sich nie wieder wiederholen. Und wir alle dachten, dies sei nun Geschichte. Europa erlebte Jahrzehnte der Solidarität und des Friedens.

Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz

Dies sind unsere wirklichen Feinde und wir begegnen ihnen jeden Tag immer wieder aufs Neue:

Habgier – mit unserer Habgier nach Energie und Rohstoffen zerstören wir die Welt und treiben Millionen von Menschen in die Flucht

Ehrgeiz – immer größer, besser, schneller und immer mehr – und dabei immer nur an sich selbst denken. Begegnen wir diesem Wahn nicht tagtäglich sowohl im Beruf, im Verkehr, im Verein oder in der Familie? Hier bleibt kein Platz für Empathie…

Neid – wer kennt dieses Gefühl nicht - hat der Nachbar doch schon wieder ein neues Auto und die Flüchtlinge bekommen mehr als wir…

Wut – die da oben machen doch sowieso was sie wollen. Na bei der nächsten Wahl zeigen wir es Ihnen dann und lassen im Internet nochmal richtig Dampf ab…

Stolz – bin ich nicht der aller Größte und nur ich weiß Bescheid wie die Welt funktioniert – und deshalb darf sich auch nichts ändern…

Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz dies bereitet den Nährboden für die ewig gestrigen, die uns erst verunsichern wollen um dann wieder ihre braune intolerante Weltanschauung, die uns bereits in 2 verheerende Kriege geführt hat, salonfähig zu machen.

Viele Menschen fühlen sich nicht mitgenommen von unserer Politik und folgen frustriert diesen Rattenfängern.

Überall stehen auf einmal die Demokratien auf dem Prüfstand und müssen um ihren Bestand kämpfen.

Und hier müssen auch wir aufpassen. Aufpassen und kämpfen für unsere Freiheit und Demokratie.

Wir müssen es mit den Leitmotiven des verstorbenen Staatsmannes Helmut Schmidt halten: Vernunft und Verantwortung übernehmen!

Mit Vernunft und nicht geleitet von Angst oder Ressentiments müssen wir Verantwortung in einer immer komplizierter werdenden Welt übernehmen.

Die Vernunft, dass nicht jeder der nicht den christlichen oder jüdischen Gott sondern Allah anbetet ein Islamist ist und alles und jeden in die Luft bombt.

Verantwortung gegenüber unseren Familien, aber auch gegenüber unserer Gesellschaft oder den Hilfsbedürftigen, die in unser Land kommen.

Verantwortung auch einmal zu sagen, dass unsere Demokratie nichts Selbstverständliches ist und dass sie jeden Tag verteidigt, geschützt und gehütet werden muss.

Wenn wir dies begreifen und umsetzen, dann brauchen wir keine Angst zu haben vor der Zukunft und vor Menschen, die wir nicht kennen oder deren Kultur uns fremd ist.

Aber lassen Sie mich auf den heutigen Gedenktag zurückkommen.

Unsere Gedanken sind bei allen Opfern des Terrors und der Willkür in Europa und in der Welt. Aber auch bei allen anderen, die heute in Not oder auf der Flucht sind.

Im Namen der Ortsgemeinde Gau-Odernheim haben wir diesen Kranz niedergelegt.
Wir gedenken allen Toten und Opfern der beiden Weltkriege und des braunen Terrors.
Wir gedenken allen Toten und Opfern aller Kriege bis zum heutigen Tag.
Wir gedenken allen Toten und Opfern von Terror und Willkür, ob von staatlicher oder nichtstaatlicher Gewalt, bis zum heutigen Tag.

Ich möchte allen Beteiligten zur Durchführung der Gedenkfeier meinen Dank aussprechen. Dank an Frau Liesel Poss und den VDK, der wie keine andere Organisation in der Tradition des Volkstrauertages steht. Dank an die musikalische Umrahmung durch Herrn Franz Josef Schefer. Dank an die Fahnenabordnungen der Vereine. Und Dank an Ralf Krämer für die Solo Trompete.

Ich danke Ihnen!

Heiner Illing

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