8.12.2019

Grünflächen ohne Gift

Gau-Odernheim will als erste Gemeinde im Kreis pestizidfreie Kommune werden und verzichtet auf Unkrautvernichter.

Von Jan Haugner - Allgemeine Zeitung Alzey vom 07.12.2019

GAU-ODERNHEIM. Zurzeit klaffen noch viele Löcher in Rheinland-Pfalz, wenn man sich die Karte der pestizidfreien Kommunen auf der Seite des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) anschaut. Im ganzen Landkreis gibt es nicht eine, ein Vakuum, in das jetzt Gau-Odernheim vorstoßen will. In seiner jüngsten Sitzung hat der Ortsgemeinderat beschlossen, sich um eine solche Zertifizierung des BUND zu bewerben. Um diese zu erreichen, müssen Orte und Städte idealerweise auf Pestizide, mindestens aber auf Glyphosat auf ihren Grünflächen verzichten. Die Vision der Petersberggemeinde geht aber noch weiter. Künftig sollen hier verstärkt insektenfreundliche Pflanzen gesetzt und nur noch ein bis zwei Mal im Jahr gemäht werden.

Diesen Beschluss fasste der Rat in der vergangenen Woche einstimmig. Eingebracht wurde die Idee zur Bewerbung von Henrik Illing. Der Sohn des amtierenden Ortschefs sitzt seit Mai für die SPD im Gemeinderat. “Ich fand das eine sehr interessante Idee und die Fraktion war auch sofort begeistert”, erklärt der 22-Jährige. Zusätzlich zu den Vorgaben soll die Gemeinde auf ihren Flächen künftig auf jede Art von Pflanzenschutzmitteln sowie Schädlings- und Unkrautvernichter verzichten. Während die vier Gemeindearbeiter sofort angewiesen wurden, jede Art chemischer Helfer zu meiden, müssen für die anderen Pläne noch einige Hürden genommen werden.

Zuerst will der Gemeinderat Flächen identifizieren, die überhaupt geeignet wären, schließlich kann am Straßenrand nicht einfach auf Mäharbeiten verzichtet werden. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, wollen die Gau-Odernheimer dann einen konkreten Aktionsplan ausarbeiten. Dafür haben sie einen günstigen Zeitpunkt gewählt, denn der bevorstehende Winter reduziert ohnehin den Einsatz von Chemie und gibt Zeit zu Planungen für den Frühling. Spätestens dann soll ein Konzept stehen, das dann in die Tat umgesetzt werden kann, verspricht Henrik Illing. Bei der Planung setzt der junge Kommunalpolitiker auch auf die Hilfe auswärtiger Experten. Ein Kontakt zum südhessischen Riedstadt, wo das Projekt bereits umgesetzt wird, steht bereits. Außerdem soll auch das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) mit ins grüne Boot geholt werden. Vor allem von den praktischen Erfahrungen will der Gemeinderat profitieren, denn es wird sich einiges ändern bei der Pflege des Ortsbildes. Technische Lösungen müssen gefunden werden, um die chemischen Mittel zu ersetzen und das Unkraut im Zaum zu halten. Dass das auch mal länger dauern könnte, findet Henrik Illing nicht schlimm, schließlich könne durch verstärkten Wildwuchs auf den Grünflächen viel Pflegezeit gespart werden.

Dass die Idee letztlich einstimmig durch den Rat kam, war nicht unbedingt absehbar. Die Landwirte hätten Bedenken gehabt, dass der Name “pestizidfreie Kommune” die Erwartungen an ihre Arbeit steigere, allerdings ist klar definiert, dass die Bezeichnung sich nur auf gemeindeeigene Flächen beschränkt. Vielleicht sei es schlauer, die Bezeichnung in “Insektenfreundliche Kommune” zu ändern, scherzt Henrik Illing – noch eine Chance in der Region Vorreiter zu sein

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