15.11.2015

Rede des Ortsbürgermeisters zum Volkstrauertag 2015

Wir haben uns hier versammelt, um gemeinsam am Volkstrauertag den Opfern von Kriegen, Gewaltherrschaft und Terror zu gedenken.

Volkstrauertag - nach seiner Wiedereinführung nach dem 2. Weltkrieg stellten die damaligen Verantwortlichen diesen Tag in die Erinnerung des Deutschen Volkes an die Toten der beiden Weltkriege. Den “Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat” sollte gedacht werden, aber ebenso an die Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen.

Ursprünglich wollte ich heute von dem besonderen Jahrestag sprechen in dessen Verantwortung der heutige Tag steht: Vor 70 Jahren endeten nämlich die bis dato größte Katastrophe und das größte Verbrechen, dem die Menschheit bisher ausgeliefert war, der 2. Weltkrieg. An dessen Ende stand die unglaubliche Zahl von 28 Millionen toter Soldaten, 40 Millionen toter Zivilisten und über 6 Millionen toter Juden und anderer sogenannten “unerwünschten Volksgenossen”. All dies angezettelt und mit grausamer Effizienz vom verbrecherischen Nazi-Regime und im Namen des Deutschen Volkes.

Dann wollte ich den Bogen schlagen zu den Flüchtlingen, die zu tausenden in unser Land kommen um auch im 21. Jahrhundert einem ebenso grausamen Krieg zu entfliehen suchen, wie vor über 70 Jahren die Millionen von Menschen aus den Ostgebieten, die auch hier in Gau-Odernheim eine Heimat fanden, genau wie später die Russland-Deutschen und unsere Brüder und Schwestern aus Ostdeutschland.

Aber seit Freitagabend ist der Krieg wieder hier mitten unter uns in Europa und alles ist anders.

Hirnkranke und barbarische Idioten bombten sich und unzählige unschuldige Mütter, Väter, Kinder, Touristen, Fußballfans und ich könnte die Aufzählung noch endlos weiterführen, in die Luft oder schossen blindwütig um sich. Und dies gerade einmal 500 km von uns hier entfernt. Aber was wollen diese kranken Barbaren eigentlich? Sie wollen uns das schönste und heiligste nehmen, was wir haben: unseren Frieden und unsere Freiheit zu leben wie jeder von uns will. Mit der Angst, die sie verbreiten wollen, wollen sie auch uns ihre kranke Weltanschauung aufzwingen.

Aber wir werden uns wehren. Wir werden uns wehren mit etwas was diese Kreaturen nicht verstehen und an dem sie verzweifeln: mit unserem demokratischen Rechtsstaat und mit unserer Liebe zur Freiheit, unserem Respekt gegenüber anderen und unserer Toleranz. Wir müssen zusammenstehen in dieser Zeit, aber wir dürfen weder in Angst vor diesen Barbaren vergehen, noch dürfen wir den ewig gestrigen nun wieder auf den Leim gehen, die dies nutzen wollen um wieder ihre braune intolerante Weltanschauung, die uns bereits in 2 verheerende Kriege geführt hat, salonfähig zu machen.

Wir müssen es mit den Leitmotiven des leider verstorbenen Staatsmannes Helmut Schmidt halten: Vernunft und Verantwortung übernehmen!

Mit Vernunft und nicht geleitet von Angst oder Ressentiments müssen wir Verantwortung in einer immer komplizierter werdenden Welt übernehmen.

Die Vernunft dass nicht jeder der nicht den christlichen oder jüdischen Gott sondern Allah anbetet ein Islamist ist und alles und jeden in die Luft bombt. Verantwortung gegenüber unseren Familien, aber auch gegenüber unserer Gesellschaft oder den hilfsbedürftigen, die in unser Land kommen. Wenn wir dies begreifen und umsetzen, dann brauchen wir keine Angst zu haben vor Menschen, die wir nicht kennen oder deren Kultur uns fremd ist. Und als kleiner Nebeneffekt findet die braune Saat, die aktuell wieder ausgebracht wird, keinen Nährboden.

Aber lassen Sie mich auf die aktuellen Ereignisse und den heutigen Gedenktag zurückkommen. Unsere Gedanken sind bei unseren französischen Freunden, den Opfern und deren Angehörigen. Aber auch bei allen anderen, die heute in Not oder auf der Flucht sind.

Im Namen der Ortsgemeinde Gau-Odernheim haben wir diesen Kranz niedergelegt.
Wir gedenken allen Toten und Opfern der beiden Weltkriege und des nationalsozialistischen und links- und rechtsextremen Terrors.
Wir gedenken allen Toten und Opfern aller Kriege bis zum heutigen Tag.
Wir gedenken allen Toten und Opfern von Terror und Willkür, ob von staatlicher oder nichtstaatlicher Gewalt, bis zum heutigen Tag.

Ich möchte allen Beteiligten zur Durchführung der Gedenkfeier meinen Dank aussprechen. Dank an Pfarrer Andreas Rose und die evangelische Kirchengemeinde, die in diesem Jahr die Organisation und den Hauptteil übernommen haben. Dank an Frau Liesel Poss und den VDK, der wie keine andere Organisation in der Tradition des Volkstrauertages steht. Dank an die musikalische Umrahmung durch den MGV Gau-Odernheim und Dank an Ralf Krämer für die Solo Trompete.

Heiner Illing
Ortsbürgermeister

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